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DNF beim Ironman Israel - Sinnbildlich für das ganze Jahr

Das Ziel für den Ironman Israel am 25.November war es die Saison mit einer zufriedenstellenden Leistung über die Langdistanz abzuschließen, nachdem der Ironman Des Moines und die der Challenge Roth alles andere als perfekt waren und ich mich eher über die Ziellinie schleppen musste. Für beide Rennen war die Vorbereitung aufgrund von Krankheiten sehr holprig und wenig konstant. Zwar waren es mentale Siege, aber vom "Racen" weit entfernt.


Ende September war ich nach einem guten Trainingsblock in Südtirol auf einem guten Weg und hab mich super stark gefühlt. Beim Ironman 70.3 Venedig Ende September wollte ich genau das unter Beweis stellen und mir gleichzeitig mein Selbstvertrauen aus den letzten Trainingseinheiten für den Ironman Israel weiter ausbauen. Je näher das Rennen kam, desto vorsichtiger wurde ich auch was soziale Kontakte betrifft, um mir nichts einzufangen wie in der ersten Saisonhälfte. Jedoch kommt in dieser Jahreszeit noch die Hürde des schlechten Wetters hinzu, was das, durch das Training eh schon gereizte, Immunsystem zusätzlich belastet. Es war das letzte trainingsintensives Wochenende bei Wind und Regen vor dem Rennen, wo es mich dann wieder erwischt hat. Drei Tage vor dem Ironman 70.3 Venedig musste ich den Start absagen, aber die Erkältung war hartnäckig und ist geblieben. Erst Mitte Oktober war ich so gut erholt, dass ich wieder voll ins Training einsteigen konnte. Mir blieben dann noch 3,5 Trainingswochen von denen ich eine aber durch eine Reise eingeschränkt war. Ein Deja-vu an die Vorbereitung auf Des Moines/Roth, was ein dicker Dämpfer für mein gewonnenes Selbstvertrauen war.


Zwei gute Einheiten auf dem Rad konnte ich noch verbuchen. Beide habe ich im freien bei gutem Wetter begonnen doch dann bei Dunkelheit und Feuchtigkeit beendet. Die zweite davon war der Grund wohl der Grund, dass ich einen Tag vor dem Abflug Halsschmerzen ausbreiteten. Die Vorbereitung in Tiberias war dann alles andere als perfekt.




Es musste ein erneutes Wunder am See von Genezareth passieren, dass ich ein Rennen haben sollte, um die Saison wie geplant zufrieden zu beenden.


Und das Wunder ist eingetreten. Regen und Wind am Rennmorgen, 18 Grad Höchsttemperatur und Neoschwimmen für Profis nachdem der See die Tage zuvor über 24 Grad hatte…genau mein Wetter, die Flamme in mir ist aufgeglüht, wie noch nie in den letzten Tagen.


Schwimmen: 59:32min

Mit rund 60 Profis am Start und eigepackt in den Neo war ich sehr zuversichtlich eine gute Gruppe zu erwischen. Das Ziel mit an Boris Stein zu orientieren musste ich schnell aufgeben, da aufgrund des harten Seegangs die (Über-)Sicht sehr eingeschränkt war. Im Vergleich zu den Wellen und Wind habe ich mich von Anfang an aber kraftlos gefühlt, hatte aber eine Gruppe vor mir. Nach 900m habe ich durch ein paar Ausläufer meines Hustens in Kombination mit den Wellen kurzeitig viel Wasser geschluckt, was durch den Seegang und die Orientierungslosigkeit eine kleine Panikattacke ausgelöst hat. Weil ich im Brustschwimmen auch nicht wettkampftauglich bin, habe ich dabei meine Gruppe verloren und mit einem Blick nach hinten realisiert, dass da nicht mehr viele weiße Badekappen hinter mir sind. Im Nachhinein würde ich sagen, dass hier das Rennen schon zu Ende war, denn der Blockbuster von Israel hat so eben im Kopfkino begonnen. Eine Herausforderung für meinen vollen Koffer an mentalen Strategien, den ich eigentlich erst nach 7 Stunden und nicht nach 15min auspacken muss. „Kleine Ziele…erstmal die erste Runde zu Ende schwimmen denn vielleicht kommen, die zwei Minuten später gestarteten Profifrauen von hinten mit den ich mitschwimmen kann.“ Weiterhin konnte ich keine Kraft im Wasser entwicklen, weshalb es nicht zu lange dauern konnte, doch es kam keiner. „Vermutlich hab ich sie (im Getümmel mit den Agegroupern auf der zweiten Runde) nicht bemerkt.“ Also hieß es einen mentalen Schritt zurück und mich über die Überholvorgänge der brustschwimmenden Agegrouper am Ende der zweiten Runde hochzuziehen, denn „vielleicht hab ich ja gute Beine auf dem Rad nachdem ich nicht viel Energie beim Schwimmen verbraucht haben kann.“


Rad: 4:41h, 238 Watt Average, 123 HF (Ziel: 260-275 Watt)

Zwei Runden über perfekten Asphalt mit je 400hm sollten eine schnelle Radzeit ermöglichen. Weil ich keine Radgruppe hatte, konnte ich mich mal nur auf meine Werte konzentrieren anstatt wie sonst die ersten Hälfte des Rennens aufgrund der Dynamik über meine Möglichkeiten fahren zu müssen. Doch mehr als mich an der Unterkante meiner Zielwerte zu orientieren war auch nicht drin. Auch auf dem Rad hat die Kraft gefehlt, nachdem ich nicht ansatzweise bei dem ein oder anderen Profi mitfahren konnte der noch von hinten kam. Bis Kilometer 30 war ich mit 261W Durchschnitt (131 HF) noch im Bereich bis es immer mehr bergab ging. „Bis zum Wendepunkt und dann neu sortieren“. Als ich dort nach 45km in den Gegenwind gedreht hatte, begann der Tiefpunkt was meine Werte betrifft. Mit einen durchschnittlichen Herzfrequenz von 118 (mittlere Grundlage) bin ich zurückgerollt. Ich habe immer wieder versucht härter zu fahren weil mir mit der Leistung und Herzfrequenz fast kalt wurde, aber alles was über 230 Watt ging hat meine Oberschenkel zum explodieren gebracht. Zudem waren der starker Gegenwind und Regen kein gutes Brennholz für die Flamme in mir „Ich bin am weit entferntesten Punkt, zurückfahren muss ich noch!“. Nach 90km war ich dann bereit das Rad am Wendepunkt nähe der Wechselzone abzustellen, aber allein die Anwesenheit meiner Kumpels an der Strecke haben dies nicht zugelassen. „Jetzt mit Rückenwind nochmal raus zum Wendepunkt blasen lassen und dann weiterschauen“. Nach 100km kam dann aber nicht nur der Rückenwind, sondern auch die Führungsgruppe der Frauen von hinten vorbei und weggerauscht. „Du willst nicht wirklich „gechickt“ werden!“ Für die nächsten 50km hat die einzige Phase des Rennens, die ich „racen“ nennen würde, begonnen. Nachdem ich die Lücke zur Frauengruppe nach vorne schließen konnte hatte ich plötzlich Druck in den Beinen. Ich habe die Frauen wieder überholt und bin eine Lücke nach vorne zu zwei Männern zugefahren. Bei KM 150 sind durch meine schwache Blase aufgrund des starken Gegenwindes immer wieder Lücken zu den zwei entstanden, die ich dann nicht mehr schließen konnte. Die Kraft wurde wieder weniger, das Hoch war vorbei…“Jetzt nur in die Wechselzone und das Jahr wenigstens mit einem schnellen Marathon abschließen, denn meine Beine müssen ja super frisch sein nach der Bummelfahrt!“ Es war also kein Wunder, dass ich mit 216 Durchschnittswatt über die letzten 20km kurz vor der Wechselzone wieder zu Recht von den Frauen überholt wurde.


Laufen: 1:22h auf 20km

„13 Plätze gut gemacht auf der zweiten Runde“ wurde mir zugerufen als ich die Wechselzone verlassen habe. Zwar war mir klar, dass das nur aufgrund technischer Probleme anderer Profis sein konnte, weil ich niemanden überholt hatte, jedoch hat es gut getan. Dies und endlich die Füße am Boden zu haben, hat die nur noch kleine Flamme in mir ein paar mal auflodern lassen.

Zwar waren die ersten 10 Kilometer in 40 Minuten noch voll im Soll, doch ähnlich wie auf dem Rad ging, es nach 12 Kilometern langsam aber sicher bergab. Jeder Kilometer wurde langsamer und die Flamme kleiner und bis sie bei Kilometer 20 als ich zu meiner Crem kam erlosch. Neben einem kleinen Reizhusten hatte ich keine körperlichen Probleme oder Schmerzen und hätte klar noch ins Ziel Laufen können, aber ich habe zu dem Zeitpunkt keinen Sinn mehr gesehen weiterzumachen, denn ich war in Israel um zu „racen“ und ein solides Rennen zum Abschluss zu machen. Von beidem war ich weit entfernt. Es ist peinlich mit genannten Zahlen bei den Profis starten zu wollen, jedoch muss ich mir eingestehen, dass ich körperlich nicht fit war, denn ich weiß was unter normalen Umständen leisten kann. Es hat aber nicht nur die fehlende Fitness an mir genagt, sondern auch die Grausamkeit dieses Sports. Man selbst und sein ganzes Umfeld erbringen das ganze Jahr so viele Opfer, damit man ein oder zweimal im Jahr performen kann. Das alles ist schon egoistisch genug, aber als ich dann noch realisiert habe, dass es nichtmal was mit einem guten Marathon wird und die Performanz ausbleibt, fragt man sich ob es das denn alles wirklich wert ist. Diese Gedanken haben das Fass zum Überlaufen gebracht und die Flamme gelöscht.


Ich bereue es auch heute noch nicht aufgehört zu haben. Es war ein ganz bewusste Entscheidung, ein Denkzettel, den ich wollte, dass es so nicht weitergehen kann. Und wird es auch nicht! Ich kann viel aus dem Rennen mitnehmen, dass ich ändern muss. Und es geht bereits diese Woche los!


Die Flamme bremmt!






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