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Wer bremst verliert, und das zu einem hohen Preis

July 22, 2019

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Wer bremst verliert, und das zu einem hohen Preis

July 22, 2019

Lange hab ich nichts in schriftlicher Form von mir hören lassen...Aber es gab auch wirklich nichts zu berichten, da ich seit dem Ironman Texas im April eine Zwangspause einlegen musste, da ich seitdem nicht laufen konnte. Dadurch war mein Projekt Podium 2019 ins Wackeln geraten...Doch es gibt wieder was zu berichten. Die Vorgeschichte zu meiner Zwangspause erfährst du im Teil I: "Wer bremst verliert...Ironman Texas", den ich bis jetzt noch nicht veröffentlicht hatte. Wenn du die Details kennst oder keinen Bock hast zu viel zu lesen, dann scrolle direkt zum Teil II: "Kona Modus"

 

 

Teil I: "Wer bremst verliert...Ironman Texas"

 

Selten hat der Satz, "Wer bremst verliert" wohl so gut zugetroffen wie für mein Rennen beim Ironman Texas.

 

Das Jahr 2019 soll der zweite Teil meines Projekts Podium 2019 werden. Nach dem Weltmeistertitel 2018 über die Mitteldistanz, will ich in diesem zweiten Teil das Podium auf Hawaii in meiner Altersklasse angreifen. Nachdem die Qualifikation für Hawaii 2019 beim Ironman Barcelona Ende 2018 aufgrund mehrerer Platten im Rennen nicht geklappt hat, war das Projekt erstmals in Gefahr. Das vorrangige Ziel für 2019 war nun erstmal die Qualifikation für Hawaii.

 

Mein Trainer und ich haben uns aus verschiedenen Gründen für den Ironman Texas entschieden. Dieser lag früh in der Saison, wodurch ich danach noch viel Zeit haben sollte, um mich auf Hawaii vorzubereiten. Allerdings war uns auch klar, dass ich zu dem Zeitpunkt noch nicht hundertprozentig fit sein werde. Die flache Radstrecke sprach auch für mich, jedoch war mir auch bewusst, dass ich es wahrscheinlich mit Hitze zu tun bekomm, was mir in Hinsicht auf Hawaii aber auch gleich als Vorgeschmack dienen sollte. Und zu guter Letzt lag der Wettkampf am Ende der Osterferien, was mir als Lehrer genügend Zeit vor Ort geben sollte, um mich auf den Wettkampf und die Bedingungen vorzubereiten.

 

In der letzten Woche vor dem Abflug nach Texas gab es allerdings eine erste Schrecksekunde. Nach einer harten Laufeinheit und einer abschließenden Radausfahrt zu Lockerung der Beine hab ich mir beim Ausklicken aus dem Radschuh meine Adduktoren gezerrt…was das Lauftraining für die nächsten Tage unmöglich machte. Mit diesem Übel im Gepäck ging es dann also wenige Tage später und zwei Wochen vor dem Ironman Texas nach Amerika, um mich dort auf den Wettkampf so gut es geht vorzubereiten.

 

Die ersten zwei Tage verliefen auch perfekt nach Plan, bis mich ein hartnäckiger Magen Darm Virus flach gelegt hat. Anstatt mich in der texanischen Schwüle auf den Wettkampfstrecken vorzubereiten und das amerikanische Essen zu genießen, verbrachte ich die komplette erste Woche in dem weichen Bett meines gekühlten Zimmers bzw. auf dem Klo ohne Burger, Chicken Wings und Peanut Butter. Das höchste der Gefühle waren Cracker am dritten Tag, aber leider ohne den köstlichen Sprühkäse aus der Dose. Dass ich dadurch ein neues "all time best" Wettkampfgewicht erreichte, stimmte mich nur wenig positiv, zumal es mir schon fürchterliche Schmerzen bereitete mich nach jedem Toilettengang in das hohe Bett zu hieven. Wie sollte ich da nur eine Woche später einen Ironman überstehen, dachte ich mir jedes Mal als mein Herzfrequenz im Bett wieder zur Ruhe kam. So konnte wenigstens meine Adduktorenzerrung verheilen, redete ich mir ein. Nach der Ankunft meiner Mutter und Freundin genau eine Woche vor dem Rennen folgte auch nochmal eine schlimme Nacht mit einer negativen Gewichtsentwicklung durch stündlich getaktete Sprints auf die Schüssel. Mit diesen kurzen Laufintervallen hielt ich meine Hoffnung am Leben und mein System im Wettkampfmodus. Erst am Montag machte sich dann eine Besserung erkennbar, und ich begann die Hühnerbrühe nun auch mit Reis zu verfeinern. Mit der Geschmeidigkeit eines 80 Jährigen begann ich dann Dienstag, 4 Tage vor dem Wettkampf, wieder mit dem Training...wenn man eine Radausfahrt bei der ich nicht mehr als 120 Watt treten konnte als Training bezeichnen will. Zu allem Übel musste ich beim Laufen aber feststellen, dass die Zerrung genauso hartnäckig wie meine Scheißerei war. Obwohl ich auch deswegen noch nicht wirklich an einen Start geglaubt hab, hatte ich mein Rad vorsichtshalber doch noch von einem Mechaniker für den Wettkampf präparieren lassen...ja, besonders die Bremsen, die mir schon seit längerem immer wieder Probleme bereiteten.

 

Eine weise Person sagt mir immer, dass alles einen Grund hat. Vielleicht war der Grund für den Virus, dass ich wenig Radfahren sollte, da dies in den Woodlands ein sehr gefährliches Unterfangen war. Alle 200-500m eine Ampel, rücksichtslose Fahrer (in Texas darf man bei seinen Eltern den Führerschein machen) und vielbefahrene Straßen sind ein Grund dafür warum die Einheimischen alle indoor trainieren und ich die Gegend nur für eine Entschlackungskur im Bett empfehlen würde.

 

Spätestens ab der Registrierung am Mittwochmorgen ging es mir auch immer besser, die Vorfreude, Wattzahlen und aufgenommene Menge an Reisbrühe stieg stetig an. Diese wurde dann sogar durch Nudeln und Toast mit Erdnussbutter und Marmelade ersetzt...ab jetzt hieß es nur noch essen, essen, essen, was in Amerika kaum ein Problem darstellt. Ich konnte mich dann auch endlich mit den Wettkampfstrecken, und nicht nur mit der Lage der Dixies vertraut machen. Das letzte Radtraining im Racesetup verlief auch vielversprechend. Trotzdem wurde die Renntaktik ein bisschen geändert...Kraft sparen mehr denn je war das Motto, weil ich mir nicht sicher war ob ich schon wieder voll bei Kräften bin.

 

Um 3 Uhr nachts klingelte der Wecker...die 1200 Kalorien zum Frühstück stellte noch nie ein Problem da. Obwohl dies mein erster Wettkampf des Jahres war, verlief auch das weitere Procedere einschließlich der Toilettengänge bis hin zum Start stressfrei und planmäßig. Auch meine Position in der ersten Startreihe konnte dann deshalb nichts mehr daran ändern, dass meine Aufregung in die richtige Bahnen gelenkt wurde. 

 

 

Nach dem Startschuss schaltetet ich sofort in den Beastmode auf Sparflamme und fand schnell in meinen Rhythmus. Ich hab mich aus dem Getümmel rausgehalten und bin meinen Stiefel geschwommen. Ohne Probleme stieg ich dann nach 58min aus dem Wasser. Dass noch viele Athleten angekommen waren zeigte sich im Wechselzelt als mir die Freiwilligen motiviert bis zu den Haarspitzen denn Neoprenanzug vom Leib und mich von meinem Stuhl rissen.  Als ich mir mein Rad schnappte erfuhr ich von meinem mitgereisten Team, dass ich bereits sechster meiner Altersklasse war. Das war eine neue Situation für mich...erstmal konnte ich die Aufholjagd entspannt angehen, da mir der sechste Platz bereits für die Quali reichen sollte. Nichts überstürzend trat ich also gemütlich los und legte mich in die erste Rechtskurve. Dabei musste ich aber feststellen, dass meine Bremsen versagten, wodurch ich meine Seitenlage abbrechen musste, über die Strecke hinaus in eine Seitenstraße rollte, um mit den Füßen zu bremsen. Da ich es gewohnt bin, dass immer was schief läuft hielt sich die Panik in Grenzen, ich drehte mein Rad in Fahrtrichtung und fuhr weiter. Entweder durch die ungewollte harte Landung auf meiner Arschbacke im Wechselzelt oder aufgrund des Bremsmanövers machte dann auch meine linke Hüfte dicht, wodurch ich auf den rechten Bremsfuß ausweichen musste. Mit glühenden Fersen hab ich mich dann letztendlich auf den Highway gerettet, wo außer den zwei Wendepunkten, die zweimal durchfahren werden mussten, kein Bremsmanöver mehr benötigt war. Aufgrund des abgeriebenen Gummies an meinen Schuhen musste ich mir neue Bremsmanöver einfallen lassen...das schräge Einfahren in Absperrungen und Mauern erwiesen sich hierbei als beste Variante. Während dann die linke Arschbacke wieder aufweichte, machte sich meine entzündete Rosette schmerzend bemerkbar, als sie bei jedem tropfen Schweiß ein brennendes Feuer in meinem Rennanzug entfachte. Trotz aller  physischen und technischen Baustellen konnte ich mich in einer gut harmonierenden Dreiergruppe austoben.

Nach circa 100 km hatte ich eine schwache Phase in der ich meine Mitstreiter ziehen lassen musste. Ein fataler Fehler, da genau zu diesem Zeitpunkt das 40 km lange Stück mit Gegenwind vor uns bzw. ab jetzt vor mir alleine lag bevor ich mit dem letzten Wendepunkt wieder auf den Rückweg mit Rückenwind wechseln konnte. Mit einer Mischung aus brennenden Beinen, feuerartigen Intermezzos im Hinterteil und Hass gegenüber dem Gegenwind hab ich teilweise schreiend die Kilometer zum Wendepunkt runtergezählt. Ab hier ging es dann mit teilweise bis zu 55 km/h zurück in die Wechselzone, was die letzten Kurven aber interessant machen sollte. Als mich ein Helfer mit seiner ganzen Kraft kurz vor der Wechselzone stoppte, um nicht in die Zuschauer zu fahren, konnte ich endlich meine Füße zum Laufen nutzen und endlich in den Turbo schalten, um nach vorne zu laufen.

 

 

 

Das lange Ausrollen bei den Wendepunkten und Kurven begleitet durch meine kreativen Bremsmanöver hat mich letztendlich 1,5 km zusätzlich gekostet, wie ich im Nachhinein durch meine GPS Aufzeichnung feststellen konnte. Deswegen war ich umso mehr überrascht als ich in der Wechselzone zum Laufen die Information erhalten habe, dass ich mich schon auf dem ersten Platz meiner Altersklasse befand. Dies hat mich aber eher beflügelt als entspannt. Angetrieben durch die Ansage, dass ich auch vierter Gesamt war und der erste nur 4  Minuten Vorsprung hatte und durch mein persönliches Ziel eine Sub 3 zu laufen hielt ich trotz der Anweisungen meines Coaches langsamer zu laufen, an meinem Tempo fest. Spätestens aber bei der Halbmarathonmarke, wurde mir klar, dass dies ein Fehler war. Die Beine wurden immer schwerer...bei km30 war ich dann eigentlich bereit durchs Ziel zu laufen und nahm mir sogar die Zeit für eine Runde Dixieklo, um dem Rhythmus der letzten Wochen nicht komplett zu unterbrechen.  Wieder an der frischen Luft  musste ich tief in die mentale Trickkiste greifen, um jeden weiteren Kilometer zu überstehen, denn es machte sich auch jetzt meine verschleppte Adduktorenzerrung bemerkbar: Diese gingen aber unter in den Schmerzreizen die aus allen Gliedmaßen wahrgenommen wurden.  Sowohl die Information bei Kilometer 34, dass ich nur noch 1:30min hinter dem Gesamtführenden lag, als auch die dann nur noch 15 Sekunden bei Kilometer 38 Sekunden, ließen mich kalt, weil meine Beine von Schritt zu Schritt gefühlt ein Kilo schwerer wurden und ich nur noch heim in dieses Weiche Bett wollte an das ich mir so gut gewöhnt hatte. Es war aber wieder umso erstaunlicher was noch geht, wenn man einfach den Kopf ausschaltet. Die letzten 1,5 km konnte ich meine Pace nochmals um 30 sek auf den Kilometer erhöhen und als erster Agegrouper nach den Profis die Ziellinie überqueren und dabei die Siegerehrung der Profifrauen im Zielkanal crashen.

 

 

 

Ich war überwältigt wie gut die ganze Sache ausgegangen ist. ...Nur die Hawaii Quali war das Ziel...ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich nach den letzten zwei Wochen, doch so weit vorne landen kann. Und da war ich nicht der einzige...Kurz bevor ich mich dann auf das große Bett unter mir legen wollte, das in diesem Moment sicher so gemütlich gewesen wäre wie das von Don und Tracey, schnappte mich ein offizieller und führte mich ab zur Dopingprobe. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Beim Warten auf etwas verwertbar Flüssiges konnte ich den Gewinner der Profis Patrick Nilsson und drittplatzierten Andy Starykowicz kennenlernen und mich mit ihnen austauschen. Es hat mich sehr gefreut zu erfahren, dass das gesamte Podium der Profis und die Altersklassenathleten stichprobenartig getestet werden. Wieviel man aber bei einer Urinprobe herausfinden kann, bleibt fragwürdig. 

 

Selbst das gemütliche Bett am Abend konnte nicht dafür sorgen, dass ich lange schlafen konnte, weil meine Oberschenkel so geschmerzt haben. Dank der vorbildlichen Öffnungszeiten das Walmarts auch am Sonntag konnte ich die Zeit ab 5 Uhr früh für eine intensive Shoppingrunde dort nutzen und endlich, wenn auch nur für ein paar Stunden, die Vorzüge der amerikanischen Küche genießen und die Zeit bis zur Siegerehrung verkürzen.

 

Mit der Kreditkarte im Anschlag hab ich mir meinen Startplatz für den Ironman Hawaii am 12. Oktober dieses Jahr gesichert und freu mich jetzt auf eine kleine Saisonpause bis es in drei Wochen mit der Vorbereitung und der Planung der restlichen Saison losgeht.

 

 

 

Teil II Kona Modus:

 

Ich konnte es kaum erwarten, die Pause nach dem Ironman Texas zu beenden, um mich auf die bevorstehenden regionalen und Ligawettkämpfe vorzubereiten. Besonders der Triathlon Erlangen am 21.Juni war für mich ein Rennen mit hoher Priorität, da ich es nach dem zweiten Platz im Vorjahr dieses Jahr gewinnen wollte.

Aus diesem Grund war es umso schrecklicher für mich, die Laufpause auszudehnen, da ich nach zwei Laufversuchen immer noch die Zerrung in den Adduktoren spürte. Ein MRT hat dann die Hiobsbotschaft gebracht…eine Ödem am Schambein. Diese Entzündung des Knochens ist wohl auf meine Zerrung und dem anschließenden Marathon beim Ironman Texas zurückzuführen. Eine Schambeinentzündung ist eine der schlimmsten Sportverletzungen, die man sich zuziehen kann, weil man nie weiß wann bzw. ob es verheilt ist und da nur absolute Ruhe Heilung verspricht. Für den geplanten Start der Vorbereitung auf Hawaii im Oktober und der Erfüllung meines Projektes waren das sehr bittere News.. die mich in den kommenden Wochen mental sehr belasteten. Die Ungewissheit über die Verbesserung der Situation war der Eintritt zu einem emotionalen Rollercoaster in den kommenden Wochen. Da ich aber zum Glück Schwimmen und Radfahren konnte war die Hoffnung nicht ganz verloren. Mit 2000 Radkilometer im Mai und drei 25 km Trainingswochen im Wasser nutzte ich die Zeit um mich in meinen zwei schwächeren Disziplinen zu verbessern, während ich mit zusehen musste wie die Triathlonsaison in Deutschland begann und sich meine Kumpels auf sämtlichen regionalen Wettkämpfen, die auch ich geplant hatte „battelten“.

 

In den letzten 10 Wochen war ich auch Stammgast bei sämtlichen Ärzten, Ostheopathen und Physios angeführt von meinem Arzt des Vertrauens Mr. Always Right Dr. Dr. „Dreser“ Först. Bei ihm genoss ich eine fünfwöchige Stoßwellenbehandlung kombiniert mit der, bei Spritzenhypochondern beliebte, ACP Therapie. Dabei wird Eigenblut an die entzündete Stelle gespritzt, um den Abtransport der Entzündung zu beschleunigen. An meinem Geburtstag, am 10.7., hab ich die letzte Spritze erhalten und jetzt heißt es nur noch hoffen. Gleichzeitig hab ich seit 1. Juli wieder langsam angefangen zu laufen. Vorallem aber wahrscheinlich wegen der Spritzen (so hoffte ich), war dies immer noch mit Schmerzen verbunden. Nachdem aber die letzte Spritze nach einer Woche abgeklungen war, stellten sich die Schmerzen langsam ein, obwohl ich die Laufbelastung immer mehr gesteigert hab.

Leider war es aber zu knapp vor einem meiner Saisonhighlights, dem Erlanger Triathlon gestern am 21.7.. Es ist mir sehr schwer gefallen, aber mit dem Ziel Podium in Hawaii im Blick sicher eine die vernünftige Entscheidung. Doch wer mich kennt, weiß dass ich dafür nicht bekannt bin, weswegen ich mir den Regionalliga Wettkampf in Schongau mit kürzeren Distanzen am gleichen Tag als Ersatz herauspickte. Dieser sollte gleichzeitig als Belastungstest dienen, um die endgültige Entscheidung zu treffen, ob ich die Vorbereitung auf Hawaii angehe oder nicht. Denn über eins war ich mir die ganze Zeit während meiner Verletzung sicher… ich will nur nach Hawaii, wenn ich hunderpozentig fit bin und wenn ich mein Ziel erreichen kann.

Die Lust endlich wieder an der Startlinie zu stehen war unbeschreiblich hoch, vorallem weil ich bei den letzten Wettkämpfen immer nur als Supporter neben der Strecke stand. Deswegen hat der strömende Regen früh in Schongau diesem Feuer in mir auch nichts anhaben können. Aufgrund meiner fehlenden Wettkampfroutine und dem Regen waren alle Prozesse der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung allerdings verlangsamt, was auf Kosten der Einschwimmzeit ging. Da das Wasser bescheidene 17 Grad hatte war dies zunächst auch nicht das große Problem. Nach meinem fetten Schwimmblock war meine Unsicherheit auch nicht mehr so groß, um aus der ersten Reihe neben alten Freunden wie Sebastian Mahr und Markus Stöhr zu starten. Meine ganze aufgestaute Energie der Letzten Wochen wollte ich schon im Schwimmen entladen, um bei dem Rennen mit Windschattenfreigabe eine gute Gruppe auf dem Rad zu erwischen. Der Startschuss fiel, ich ballerte los als gäbe es kein Morgen und schon nach 100m blieb mir die Luft weg als hätte ich eine Plastiktüte auf dem Kopf und einen Strick um meinen Brustkorb…Ein Gefühl der Panik stieg in mir hoch. Der Versuch mit Kopf über Wasser zu schwimmen verschlimmerte Situation nur, als ich Wasser schluckte und ich nichts sehen konnte außer herumwirbelten Armen. Die Enge des Massenstarts verschlimmerte dieses Panickgefühl so extrem, dass ich stehen bleiben musste und bereit war das Rennen zu beenden. Nachdem alle Athleten an mir vorbeigeschwommen waren, hab ich mich Richtung DLRG Kanu aufgemacht. Auf dem Weg dorthin wurde es besser, ich hab den Aufgabegedanken wieder abgelegt und wollte zumindest versuchen als Ersatzmann des Teams das Rennen zu beenden. Erst mit Brustzügen und dann langsamen Kraul bin ich dem bereits 100m entfernten Feld hinterhergeschwommen…Die Panik gab nach, ich konnte atmen und das Tempo erhöhen. Jetzt hieß es nur , irgendwie nach vorne kommen, um noch eine gute Gruppe auf dem Rad erwischen zu können. Endlich konnte ich meiner Wettkampflust freien Lauf lassen, und mich weit im Feld nach vorne kämpfen…Nach einer Schwimmzeit von rund 21:30 min fand ich mich drei Minuten hinter der Führungsgruppe in einer Verfolgergruppe von fünf Leuten. Mit gefühlten 8000 Watt hab ich versucht die Gruppe über die ersten 15 Minuten nach vorne zu führen, hab jedoch wenig Unterstützung erhalten. Lediglich Valentin aus Ingolstadt hatte „Lust“ auf eine 8000 Wattparty, wodurch wir zwar nicht aufholten, aber auch nicht so viel Zeit nach vorne verloren haben. Ein Ausreisversuch 5 km vor dem Ziel hat die Beine dann nochmals zum Glühen gebracht und perfekt auf die kommenden 10 Schambeintestkilometer vorbereitet. Das Adrenalin des Wettkampfes hat dann die kurzen Schmerzen beim ersten Bodenkontakt schnell verdrängt und ich konnte voll und ganz die schönen Schmerzen eines schnellen Laufes genießen. Wie das ganze Rennen über überquerte ich die Zielinie mit einem breiten Grinsen, denn ich wusste: „Kona Modus is on!!“ Trotz meiner wenigen Laufkilometer war ich drei Minuten schneller als bei meiner Teilnahme 2017 und konnte sogar noch den 7. Platz erzielen, obwohl ich gezwungenermaßen als Letzter gestartet war.

 

Vielmehr jedoch als das Ergebnis zählt für mich die Bestätigung, dass ich mit der Vorbereitung auf Hawaii starten kann. Als kleinen Wehrmutstropfen für meine Absage beim Erlangener Triathlon werde ich beim Puma Rennen am kommenden Sonntag dem HerzoMan an den Start gehen, bevor ich mich dann voll auf das Training für Hawaii konzentrieren werde. Nach einem letzten Trainingslager im August werde ich eventuell Ende August die Form und das Equipment nochmals bei einer Mitteldistanz testen.

 

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